Die diesjährige Bilderberg-Konferenz findet derzeit vom 3. bis 6. Juni 2010 in Sitges (Spanien) statt.
Dank der hartnäckigen, langjährigen Arbeit investigativer Journalisten wie Daniel Estulin, Jim Tucker und Alex Jones wird die Bilderberg-Konferenz mittlerweile einer immer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Spanische Mainstream-Medien sind auch vor Ort präsent. Zwar ist das Thema Bilderberg nicht unbedingt groß auf den Titelseiten zu finden, aber immerhin haben die größten spanischen Zeitungen – El País, ABC und La Vanguardia – einige Artikel und sogar Kurzvideos veröffentlicht.
La Vanguardia schreibt unter anderem:
“Die mächtigsten Personen der Welt, darunter Banken- und Konzernchefs, Staatschefs und europäische Monarchen, werden über politische und wirtschaftliche Themen sprechen.”
Der Investigativreporter Daniel Estulin, dessen Standardwerk über die Bilderberger sich mittlerweile über 3,5 Millionen mal verkaufte – wurde in den letzten Wochen auch mehrmals vom spanischen Fernsehen interviewt. Näheres dazu finden Sie auf Estulins Homepage.
Sogar die südamerikanische Presse hat in der Vergangenheit teilweise ausführlich berichtet.
So schreibt SEMANA, das kolumbianische Pendant zum deutschen SPIEGEL, in einem längeren Artikel von 2004 mit dem Titel “Die Herrscher des Universums”:
“SEMANA versuchte sechs Intellektuelle zu kontaktieren, die bei der letzten Konferenz anwesend waren, jedoch wollte sich keiner von ihnen dazu äußern. (…)
Es ist bekannt, dass die Bilderberg-Teilnehmer die Globalisierung propagieren und überzeugt sind, dass nationale Souveränität ein veraltetes Konzept sei. Es war bei Bilderberg wo man begann über eine westeuropäische Union zu sprechen und die Euro-Währung einzuführen. Will Hutton, ehemaliger Chefredakteur von The Observer, nahm 1997 teil und seiner Ansicht nach handelt es sich dabei um ein Forum auf dem unter Ausschluss der kritischen Öffentlichkeit ein informeller Konsens geschaffen werde, der danach auf die Agenden größerer Foren einwirke, wie etwa dem G8-Gipfel oder Sitzungen der WTO.”
Die größte kolumbianische Tageszeitung El Tiempo erlaubt ihren Lesern in einer Blogsektion sogar ausführliche Beiträge, die teilweise mit einschlägigen Dokumentarfilmen unterlegt wurden:
El Tiempo I (Bilderberg 2009)
El Tiempo II (Übersetzung eines englischsprachigen Artikels über die “New World Order”)
El Tiempo III (Film: The Money Masters mit spanischen Untertiteln)
Die größte argentinische Zeitung La Nación führte 1999 ein Interview mit Bilderberg-Urgestein David Rockefeller, der die ganze Angelegenheit natürlich herunterspielte:
“Rockefeller erhielt von uns ein Exemplar von La Nación als er sich in Washington befand um an einer jener Bilderberg-Konferenzen teilzunehmen, welche die Presse “Die Schatten-Weltregierung” getauft hat.” (…)
“Wir haben keinerlei Absicht die Welt zu beherrschen, das ist eine wilde Übertreibung”, ärgert sich Rockefeller. Es ärgert ihn auch, dass man Bilderberg als “Geheimnis” bezeichnet, nur weil man dort allein auf Einladung teilnehmen könne und weil die Teilnehmerliste nicht veröffentlicht werde.
“Sie ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, aber das heißt nicht, dass sie ein Geheimnis sei. Das Problem ist, die Leute würden nicht kommen, wenn es eine öffentliche Veranstaltung wäre und das erlaubt uns eine offenere Diskussion”, sagt Rockefeller, einer der Gründer der Konferenz.”
In einem anderen Artikel namens “Strippenzieher der Weltmacht” (2007) schreibt La Nación über diverse Dokumentarfilme, die sich mit Bilderberg samt ähnlichen Organisationen, sowie dem Freimaurertum befassen:
“Die Existenz von Geheimgesellschaften wie denen der Freimaurer, bei denen Personen der oberen Machtebenen in verschiedensten Ländern mitwirkten und mitwirken, ist eine historisch belegte Realität. (…)
Die mysteriöse Bilderberg-Gruppe ist ein Club von Reichen und Einflussreichen, der sich jährlich unter absoluter Geheimhaltung trifft um Fragen der Weltwirtschaft und Weltpolitik zu debattieren. Der Council on Foreign Relations ist eine Organisation, der man vorwirft, sie wolle die politische Macht auf der Welt zentralisieren und privatisieren. Das ist eine Realität, die einem keine Ruhe lässt.”
Auch die britische Presse berichtet über Bilderberg – wenn auch noch zaghaft und herunterspielend. Der Journalist und Komiker Charlie Skelton ist wie schon im letzten Jahr direkt vor Ort und berichtet exklusiv für den London Guardian – mit humoristisch verfassten, aber durchaus ernsthaft-informativen Artikeln.
Der russische Auslandssender Russia Today ist mit einem eigenen Kamera-Team vor Ort und berichtet ausführlich.
In den US-Massenmedien ist dagegen – wie üblich – auch dieses Jahr wieder einmal praktisch nichts zu finden. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass amerikanischen Staatsbürgern, die ein politisches Amt in den USA ausüben, durch ein Gesetzes namens Logan Act eine Teilnahme an Konferenzen wie Bilderberg explizit verboten wird.
Auch die deutschen Massenmedien schweigen das Thema Bilderberg auch dieses Jahr wieder einmal eisern tot, was einer Bankrotterklärung in Sachen Informationspflicht gegenüber den Bürgern gleichkommt.
Schon jetzt bleibt aber festzuhalten, dass immer mehr Menschen auf das Thema Bilderberg aufmerksam werden. Wenn die deutschen Massenmedien ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollen sollten sie sich ein Beispiel am Deutschlandfunk nehmen, der kürzlich ein sehr hörenswertes Feature mit dem Titel “Re-Feudalisierung und Privatisierung der Macht?” (siehe Text oder mp3) über die Konferenz brachte. Darin kommen verschiedene Wissenschaftler zu Wort. Hervorzuheben sind hier der emeritierte Professor für Soziologie Hans-Jürgen Krysmanski:
“Krysmanski gehört zu den Anhängern der “Power Structure Research”, einer sozialwissenschaftlichen Forschung, die den Blick von unten nach oben richtet. Über Hartz-IV-Empfänger, so sagt er, weiß man so ziemlich alles, dafür sorgen schon die Kontrolle der Ämter und eine begleitende Sozialforschung. Über die Reichen und Mächtigen dagegen wisse man nahezu gar nichts. Dabei seiend diese es, so Krysmanski, die wirklich die Macht in den Händen halten.”
Sowie der Doktorand und Journalist Uwe Krüger, der einen exzellenten einführenden Artikel über Bilderberg verfasst hat:
“Es gibt eine Grenze, die wird von dem alten Merksatz bestimmt: Überall dabei sein, ohne dazuzugehören. Bilderberg ist eine Geschichte, da muss man dazugehören, um rein zu kommen. Und da sehe ich die Gefahr, dass die Unabhängigkeit verloren geht, dass man sich verpflichtet, verheddert in Loyalitäten und Abhängigkeiten.”, so Krüger.
Etwas merkwürdig wirkt dagegen der Standpunkt des Historikers Bernd Greiner:
“Wir schreiben im Moment hier am Institut an einer intellectual history of the cold war, also an einer Zusammenfassung der intellektuellen Impulse und wie das spezifische Denken der Zeit das Nachdenken über Gesellschaft verändert hat. In diesem Zusammenhang spielt Bilderberg überhaupt keine Rolle.”
Denn hiergegen wäre einzuwenden, dass die Bilderberg-Konferenzen laut Aussagen ihrer eigenen Gründer im Jahr 1954 mit dem expliziten Ziel ins Leben gerufen wurden, die transatlantischen Beziehungen vor dem Hintergrund des Ost-West-Konfliktes zu stärken. Greiner selbst publiziert jedoch regelmäßig Artikel in der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT, deren Herausgeber und Chefredakteure Matthias Nass, Josef Joffe und Theo Sommer selbst regelmäßig bei Bilderberg teilnahmen bzw. immer noch teilnehmen. Gibt es hier vielleicht einen direkten Interessenkonflikt?
Der Journalist Oliver Janich schrieb im FOCUS bereits mehrfach über Bilderberg und publizierte dort zudem auch andere sehr gute Artikel, wie etwa über die Anschläge von 9/11 oder den Climategate-Skandal. Janich gründete letztes Jahr die Partei der Vernunft.
Die Sicherheitsvorkehrungen in Sitges sind enorm und einige der friedlichen Demonstranten vor Ort berichteten auch bereits von Schikanen durch die Polizei, wie es auch letztes Jahr in Griechenland der Fall war.
Alle relevanten Links zur Berichterstattung auf Deutsch und Englisch finden Sie übrigens auf unserer extra eingerichteten Sonderseite:
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Lesen Sie auch:
Sonderseite: Bilderberg-Konferenz
Rezension von Daniel Estulins Buch “Die wahre Geschichte der Bilderberger”
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UPDATE:
Weitere Berichterstattung von spanischen Massenmedien:
TV-Bericht des größten spanischen Senders RTVE
Publico.es I (“Zapatero und Bill Gates beim Club Bilderberg” / “Polizeieinsatz kostet 600.000 Euro”)
Publico.es II (Interview mit Daniel Estulin)
Publico.es III (“Die Zukunft des Euro im Zentrum der Debatten bei Bilderberg”)
Publico.es IV (“Bilderberg, der geheime Club, der globale politische Führungskräfte auswählt”)
Factual.es (Interview mit Daniel Estulin über seinen Auftritt im EU-Parlament)
Berichte von deutschsprachigen Massenmedien:
oe24.at (06.06.2010)
BILD-Online (05.06.2010)
n-tv (04.06.2010)
3sat-Online (04.06.2010)
Spiegel-Online (04.06.2010)
20Minuten.ch (03.06.2010)
Erstmals berichten nun auch deutschsprachige Massenmedien gezielt über Bilderberg. Die Berichterstattung ist jedoch noch eher zurückhaltend und wenig kritisch. Die Meldungen erscheinen nicht groß aufgemacht auf den Titelseiten. Man muss sie in Untersektionen oder per Suchfunktion gezielt aufspüren. Der Artikel von BILD-Online ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.
Verglichen mit der Berichterstattung der spanischen Massenmedien und dem TV-Sender Russia Today ist die der deutschsprachigen Medien allerdings erbärmlich oberflächlich und tendenziös. Man kann Bilderberg zwar nicht mehr völlig totschweigen, versucht nun aber, dessen politische Bedeutung ins Bodenlose herunterzuspielen. Davon abgesehen, dass sich die Anzahl der Publikationen, die überhaupt berichteten, nach wie vor an einer Hand abzählen lässt.







[...] Bilderberg 2010 in der spanischen und internationalen Presse (Infoblog Media) [...]
[...] Bilderberg 2010 in der spanischen und internationalen Presse (Infoblog Media) [...]
[...] http://infoblogmedia.wordpress.com/2010/06/04/bilderberg-2010-in-der-spanischen-und-internationalen-… http://therealstories.wordpress.com/2010/06/02/russia-today-berichtet-uber-bilderberg-konferernz/ [...]
[...] Bilderberg 2010 in der spanischen und internationalen Presse [...]